Amerikanische Stellenbeschreibungen

Dass das US-amerikanische Rechtssystem seltsame Blüten treibt („Caution: Coffee might be hot!“), ist bekannt. Die absurden Auswirkungen zeigen sich aber auch bei Jobs.

Aus einer amerikanischen Stellenbeschreibung:

PHYSICAL REQUIREMENTS:
Positions in this class typically require: typing, talking, hearing, seeing and repetitive motions.
Sedentary Work: Exerting up to 10 pounds of force occasionally and/or a negligible amount of force frequently or constantly to lift, carry, push, pull or otherwise move objects, including the human body. Sedentary work involves sitting most of the time. Jobs are sedentary if walking and standing are required only occasionally and all other sedentary criteria are met.

Nicht dass dann ein Arbeitnehmer klagt und Schadensersatz in Millionenhöhe geltend macht, weil er nicht eindeutig darauf hingewiesen worden sei, dass es für sein Job auch notwendig sei, dass er in der Lage sein müsste, seinen eigenen Körper zu bewegen: „… move objects, including the human body“.

Wie heisst’s so schön? Der Fisch beginnt am Präsidenten Kopf zu stinken!

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Jaja, die Amis .. ich frag mich wann sie sich endlich selbst in den Fuss schiessen :)

  2. Die Ausführungen klingen tatsächlich bizarr. Man muss sie aber vor dem Hintergrund sehen, dass die US-Firmen erstens strenge Quoten haben betr. Anstellung von Minderheiten, darunter Behinderte. Zweitens werden Bewerbungen in den USA immer stärker anonymisiert; die Kandidaten dürfen kaum noch Details von sich preisgeben: Weder Alter noch Herkunft noch Hautfarbe; manchmal dürfen sie nicht mal Auskunft über ihre Schulbildung geben (absurd, ich weiss). Erste Gespräche finden telefonisch statt.

    Das kann in einem konkreten Fall bedeuten: Ein Gehbehinderter bewirbt sich um einen Bürojob; beim Stellenbeschrieb wurde nicht erwähnt, dass es bei diesem Job notwendig ist, dass er gehen kann. Er bewirbt sich und führt ein telefonisches Bewerbungsgespräch. Dort sagt er nichts davon, dass er gehbehindert ist. Was passiert?

    Ja, in den Schuhen eines amerikanischen Arbeitnehmers möchte ich (auch aus anderen Gründen) nicht stecken!

  3. Ich war über 8 Jahre bei IBM tätig und kenne deshalb die Thematik bzgl. Minderheiten bestens. Das ist aber nicht das Thema hier (über Sinn und Unsinn von Quoten könnte man stunden- bzw. seitenlang diskutieren).

    Das Absurde ist die amerikanische Mentalität und das (darauf basierende) Rechtssystem, die dazu führen, dass die Eigenverantwortung gänzlich verloren geht (oder abgewürgt wird). Als Amerikaner bin nicht ich in erster Linie für mich verantwortlich, sondern mein Arbeitgeber, der Hersteller der Schere in meinem Büro, das Restaurant, das mir den heissen Kaffee verkauft, das …

    Wäre ich der Gehbehinderte im genannten Beispiel: es liegt doch in meinem Interesse, das beim ersten Kontakt offen zu deklarieren. So lässt sich von Beginn weg klären, ob der Job aus tatsächlichen Gründen für mich in Frage kommt. Mein Ziel muss doch sein, einen passenden Job zu finden und nicht, mich in einen „hineinzuschummeln“, damit ich das Unternehmen verklagen kann, weil es mich nicht schon in der Stellenbeschreibung bzw. -ausschreibung darauf aufmerksam gemacht hat.

    Gute Nacht, Amerika!

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