Blind vor lauter Machtbesoffenheit

Unglaublich, was für ein Affentheater seit Wochen in Deutschland abläuft!

  • Kanzler Schröder leidet nach der Wahl vom 18. September unter massivstem Realitätsverlust: „Niemand ausser mir ist in der Lage, eine stabile Regierung zu bilden.“
  • Möchtegern-Kanzlerin Merkel versucht hinter den Kulissen, Ihr Machgefüge zu stabilisieren; gleichzeitig verschwinden „Top-Scorer“ wie Steuererklärung-auf-einem-Bierdeckel-Kirchhoff wieder in der Versenkung.
  • Fischer („innen grün, aussen Minister“) kümmert’s einen alten Hut, zieht sich staatsmännisch zurück und ehelicht zum 873. Mal eine Lebensabschnittspartnerin
  • Der smarte SPD-Chef Müntefering bringt seinen Protégé nicht als Generalsekretär durch, spielt die beleidigte Leberwurst und schmeisst den Bettel hin
  • äääh-Stoiber-äääh hat jetzt auch keine Lust mehr und will doch lieber Bayerischer Landesvater bleiben (weil ihm da machtmässig keiner in die Quere kommt).

Verrückt, was Machtbesoffenheit alles anrichten kann!

Zwei, drei Gedanken dazu:

  1. Menschen, die mit Macht und Verantwortung (aber nicht immer mit Verantwortungs-Bewusstsein!) ausgestattet sind, haben Mühe mit dem Loslassen. Klar: wer sich nach dem Motto „Alles oder nichts“ derart blind in einen einzigen Lebensinhalt vergräbt, hat keine Alternativen, wenn’s eines Tages so weit ist.
  2. Dieses Phänomen taucht in der Wirtschaft genau so auf wie in der Politik (und in anderen Bereichen). Auch in den Führungsgremien der Unternehmen trifft man Sesselkleber, Intriganten und Mobber, die alles tun, um den Machtverlust zu verhindern. Nur: dort gibt es verschiedene Kontroll- und Korrekturmechanismen, z.B. den Shareholder oder (als letzte, aber sehr wirkungsvolle) Variante der Markt, der einem uralten Naturgesetz folgt: die Schwachen werden ausgemerzt.
  3. Abschlussfrage: Sorge ich wachsam und ausdauernd dafür, dass ich immer mindestens eine Alternative zur Wahl habe, wenn einmal ein wichtiges Thema in meinem Leben zu Ende sein sollte? (Antwort: Oh, ja!)

Nachtrag:
Während ich diesen Artikel hier schreibe, kommt per RSS-Feed der Hinweis auf einen Artikel zum Thema von Stephan List rein geflogen: Berliner Kasperletheater

Zu den Berufen ohne Zukunft wird sich wohl ein weiterer gesellen: Der des Kabarettisten. Diese Aufgabe wird wohl bald ausschließlich von den Politikern selbst übernommen.

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