Blogdiebstahl, sagt der Jurist

Vor gut einem Monat gabe es ein bisschen Wirbel (und bei einigen Unverbesserlichen sogar ein klitzekleines bisschen Unverständnis), als ich mich dagegen gewehrt habe, dass meine JobBlog-Artikel ohne zu fragen in andere Websiten übernommen werden.

Ich bin offenbar in guter Gesellschaft: Udo Vetter, ein deutscher Rechtsanwalt (und somit fachkundig) und der wohl bekannteste LawBlogger im deutschsprachigen Raum, wehrt sich ebenfalls dagegen, dass seine Inhalte via RSS übernommen werden. Und erntet – bei der Popularität seines law blogs kein Wunder – weit über 100 Kommentare. Zum Teil von solchen, die seine Argumentation verstehen und respektieren. Zum Teil von solchen, die offensichtlich der Meinung sein, dass im Internet alles allen gehört.

Bei Udo Vetter, Mattias Schlenker und Robert Basic weiterlesen:

31 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen und die ganze Argumentation ist wiedersinnig. Wer durch seinen RSS-Feed den gesamten Content zur Verfügung stellt, fordert explizit auf, diesen auch Online einzubinden. Mal zur Definition von RSS-Feeds: Sie sollen nur den Titel und eine Kurzbeschreibung enthalten. Alles andere widerspricht den ursprünglichen Gedanken von Feeds. Wer gefragt werden will, ob man seine Feeds verwenden darf oder nicht, sollte sie entsprechend schützen und nicht andere kriminalisieren.

    vG

  2. Es gibt zwei verschiedene Nutzungsmöglichkeiten mit ganz entscheidenden Unterschieden, Meinhard, nämlich:

    1) Ich abonniere als Leser einen Feed per RSS, um mich an den interessanten Beiträgen zu erfreuen.

    2) Ich übernehme Beiträge per RSS, um sie in meine Website einzubinden und damit mein (Web-)Angebot attraktiver zu machen (und womöglich mehr Einnahmen mit meinen Seiten zu erzielen).

    Wer durch seinen RSS-Feed den gesamten Content zur Verfügung stellt, fordert explizit auf, diesen auch Online einzubinden.

    Das ist – ganz offen und direkt gesagt – Nonsens. Wer durch seinen RSS-Feed den gesamten Content zur Verfügung stellt, bietet damit den Lesern eine weitere Möglichkeit, seine Beiträge zu lesen.

  3. Hm – wenn das Nonsens ist, wie komme ich denn dann darauf? Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn Seiten ihren gesamten Content als Feed anbieten. Ich habe es zudem zum ersten mal exklusiv auf law blog gesehen. Die Definition von Feeds ist für mich eindeutig. Wer wissentlich seinen gesamten Content – mit welcher Technologie auch immer – zur Verfügung stellt, darf sich nicht wundern, wenn dieser Content eingebunden wird.

    Hier wird in der deutschen Blogwelt m. E. eine Redifinition versucht, und dies von Blogs, die eine gewisse Bekanntheit/ Reichweite erreicht haben. Schlimm finde ich, dass solche Begriffe wie Contentdiebe (auf law blog) verwendet werden. Man delegiert etwas an das juristische System, was für mich ein Armutszeugnis ist.

    LG
    Meinhard

  4. Schön, dass manche Menschen eine eindeutige Definition eines Feeds liefern können, wenn nicht einmal der Name RSS eindeutig zugeordnet werden kann.

  5. außerdem habe ich gesagt – „für mich eindeutig“ – „Miteinander Reden“ – Thun ;-)

  6. „Wer durch seinen RSS-Feed den gesamten Content zur Verfügung stellt, fordert explizit auf, diesen auch Online einzubinden.“

    Dann könnte ich analog den Spiegel (Printausgabe) durch den Scanner jagen, einfach „Spiegel“ durch „INJELEA“ ersetzen und wieder verkaufen – super Geschäftsidee :-)

    Ich sehe es so: Wenn meine Inhalte unter der Angabe der Quelle verwendet (d.h. zitiert) werden, dann ist das o.k. Dafür gibt es das Urheberrecht und z.B. CC-Lizenzen. Wenn geklaut wird, und dann von jemandem so getan wird, als sei es seine „Erfindung“: Diebstahl.

    Das hängt aber jeweils davon ab, unter welche Lizenz der Autor seine Inhalte stellt. Über die Art der Verwendung entscheidet eben der Autor – und nicht der Kopierer / Syndizierer.

  7. Pingback: " + title + "

  8. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass wer einen RSS Feed anbietet, damit leben muss, dass dieser auf verschiedene Art und Weise benutzt wird, sei es durch Leser in einem RSS Reader oder von anderen Websites. Das geht für mich in eine ähnliche Richtung wie die Diskussion um das ‚Hotlinking‘ von Bildern. Schlussendlich ist dies m.E. gerade ein Grundpfeiler des Internets, dass Dinge miteinander verknüpft werden.
    Wenn Du Deinen RSS Feed in Aggregatoren aufführst, musst Du ausserdem damit rechnen, dass jemand den Feed des Aggregators verwendet und damit auch Deine Headlines – und da hast Du noch nicht mal Kontrolle darüber, wo diese dann verwendet werden, ausser Du stösst per Zufall drauf.

    Andererseits bin ich mit Dir einverstanden, dass wenn eine grössere Site Deinen Feed einbindet, wie auch beim Verlinken von Bildern, der Betreiber dieser Site vorgängig um Dein Einverständnis bittet – und das nicht nur wegen des Copyrights.

    Fazit: Wenn Du wirklich Kontrolle über die Verwendung Deines Feeds haben willst, dann bleibt Dir wohl nicht anderes übrig, diesen nur noch registrierten Benutzern zur Verfügung zu stellen und ihn sicher nicht in irgendwelchen Aggregatoren aufzuführen, weil es schlicht unmöglich ist, jede Verwendung eine publizierten Feeds zu kontrollieren.

  9. Am einfachsten für alle wäre es, wenn Anbieter, die Probleme mit der Weiterverbreitung Ihrer Volltext-Feeds haben, dem Link zu diesem Feed Nutzungsbedingungen vorschalten. Das erspart Diskussionen z.B. darüber, ab wann ein Aggregator kein Feedreader mehr ist, für den der Volltext-Feed i.d.R. gedacht ist.

    Bezüglich der Verwendung von Titeln und Auszügen sehe ich keine Probleme, sofern dabei die Quelle genannt und verlinkt wird.

  10. Pingback: Excellence-Blog » Blog Archive » Wieder einmal: Internet-Plagiate

  11. Pingback: Swiss Metablog » Blog Archive » Blogcontentklau! Böse böse!

  12. Wer (noch immer) auf dem Standtpunkt steht, dass alles „einfach so“ übernommen werden darf, was im Internet zu finden ist, der mache doch mal die Probe aufs Exempel:

    1) News aus dem Newsfeed der NZZ Online (alternativ geht z.B. auch der Feed von Financial Times Deutschland) in die eigene Website übernehmen – natürlich ohne Nennung der Quelle, einfach „News des Tages“ oder sowas drüber schreiben.

    2) Damit das Ganze etwas Pepp bekommt, noch mit Bildern von Focus oder wenn’s einen globalen Touch haben soll – von der Los Angeles Times anreichern (damit der eigene Server nicht zusammenkracht, am besten durch Hotlinking)

    3) Abwarten, bis sich die Medien (oder deren Anwälte) melden. Diesen dann in einem netten Mail (oder im eigenen Blog) antworten: „Sie haben wohl das Internet nicht verstanden!“

    4) Abwarten bis sich die Medien (oder deren Anwälte) zum zweiten Mal melden. In den gelben Seiten nach einem geeigneten Rechtsanwalt suchen (Udo Vetter wird wohl dafür nicht zu kriegen sein), der zwar auch nichts mehr abwenden kann, aber sein Honorar trotzdem in Rechnung stellen wird.

    5) Im eigenen Blog (notfalls auch hier, falls das eigene Blog per Gerichtsbeschluss geschlossen wurde) über die Erfahrungen berichten und zu Recht (und das sag‘ ich ohne Ironie) stolz darauf sein, dass er dem einen oder anderen (bestimmt nicht allen) Blogdieb zu neuen Einsichten verholfen hat.

  13. Pingback: ww_hoax's personal blog

  14. Sorry, aber mit polemischen Aufzählungen, die so weit am eigentlichen Thema vorbeigehen, wird man kaum ernstgenommen werden.

    1) Es geht nicht um die Nichtnennung und -verlinkung von Quellen. Es geht auch nicht um geteaserte Feeds wie den der NZZ, dessen Übernahme durch das Zitatrecht gedeckt ist. Es geht um die Übernahme von Volltext-Feeds und darum, warum ein Planet kein Feedreader sein darf.

    http://planet.baublog.de/archives/14521-In-eigener-Sache-Planet-Blogdieb.html

  15. …also ich bin ganz klar der Meinung, dass wenn man etwas via RSS-Feed zur Verfügung stellt, über dieses auch „verfügt“ werden darf…selbstverständlich immer mit Quellenangabe, soviel Ehrlichkeit muss sein und ist auch nicht zu viel verlangt!!!

  16. @Osinho: Das kommt darauf an, welche Lizenz gewählt wurde. Beispiele:

    http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/
    http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/

    Beiden ist gemein, dass die Verwendung erlaubt wird – unter Namensnennung. Letztere verbietet aber auch eine Verwendung bei Namensnennung für kommerzielle Zwecke.

    Das sind aber nur einzelne Beispiele, es gibt auch andere Lizenzformen, nicht nur CC.

    Ich stelle meine Inhalte bislang unter die CC-Lizenz „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen „. Ich freue mich, wenn meine Texte oder Grafiken „zitiert“ und ich als Autor genannt werden. Da aber immer mehr Sites Inhalte unerlaubt und ohne Namensnennung weiterverwendn (z.B. http://www.unternehmer-excellence.com/Excellence-Blog/?p=65) und oft sogar damit dann auch noch damit Geld verdienen überlege ich ob ich nicht auf die CC-Lizenz „Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ umsteige.

  17. P.S. Das Lizensieren bezieht sich nicht darauf, über welches Medium ein Inhalt dargestellt wird. Auch meine RSS-Feeds stehen unter der CC-Lizenz.

  18. “Blogdiebstahl” kennt weder das StGB noch das UrhG.

    „Samenraub“ auch nicht. Aber das spielt hier wohl nicht wirklich eine Rolle. ;-)

  19. „Aber das ist mein Bagger!“, schreit der Maxl – obwohl er gestern Abend bemerkt hatte, dass der Xaverl diesenwelchen im Sandkasten liegenlassen hatte …

    Soll heißen:
    Wie kommt man als erwachsener und zudem vielleicht noch Geschäfts-Mann dazu, anderer Leute Arbeit einfach abzugreifen und sie als seine eigenen Ergüsse hinzustellen?

    Peinlich, solche verdrehten Argumente zu lesen – und zugleich aufschlussreich …

  20. Hier wird mit Analogien gearbeitet, die leider das Grundverständnis des Internets auf den Kopf stellen:

    1. RSS – Feeds dienen zur contentmäßigen Verlinkung. Wer dies nicht möchte, soll bitte diese explizite Einladung von seiner Seite entfernen.
    2. Als eine Pervertierung der Netzkultur/ Blogwelt begreife ich, wenn vorher ein explizites Einverständnis eingeholt werden muss, wenn ich einen RSS-Feed einbinden will.
    3. Zudem – da diese ganze Angelegenheit nicht juristisch geklärt ist und auch nie geklärt werden wird – was haben dies ganze Dieskussion für einen Sinn?
    3. Das Anprangern einer Person/ einer Seite auf Lawblog (der Link war letzte Woche immer noch nicht entfernt, oblgeich die Person sich entschuldigt und seinen Online-Feedreader passwortgeschützt hat) als Dieb, ist eine bodenlose Frechheit/ ein mittelalterliches, wichtigtuerisches Gehabe. Der Pranger im Mittelalter wurde benutzt, um die Öffentlichkeit abzuschrecken und gleichzeitig Macht zu demonstrieren.

  21. Hier wird mit Erklärungen gearbeitet, die leider das Grundverständnis des Rechts auf den Kopf stellen:

    1. RSS-Feeds dienen dem Zugriff auf Inhalte ohne explizit einen Webbrowser aufrufen zu müssen. Eine Verlinkung und Zitierung (setzt Quellenangabe voraus) von Inhalten ist unabhängig davon, ob dies per Webbrowser, RSS-Feed, Atom-Feed, Newsletter oder anderen Techniken geschieht, nicht nur gewünscht sondern erlaubt.
    2. Eine Übernahme von Inhalten und Ausgabe derselben als die eigenen Inhalte ist nicht nur nicht gewünscht sondern verstößt gegen das Urheberrecht. Unabhängig davon, ob die Inhalte mittels Webbrowser, RSS-Feed, Atom-Feed, Newsletter oder anderen Techniken übernommen wurden. Davon nicht betroffen sind Bearbeitungen gem. § 3 UrhG, davon sehr wohl betroffen sind Vervielfältigungen und Verbreitungen.
    3. Über die Verwendung seines Werkes entscheidet der Urheber, nicht der Verwender. Dies beinhaltet insbesondere das Vervielfältigungsrecht (§ 16) und das Verbreitungsrecht (§ 17), die ausschließlich der Urheber inne hat.
    4. Auch die Blogwelt ist an Gesetze gebunden.
    5. Das Urheberrecht ist seit langem geklärt. Änderungen am UrhG erfolgen durch Beschluß des Bundestages.

  22. @ Frank Hamm
    Danke für die fundierten Informationen.

    @Meinhard
    Das Grundverständnis des Internets wird auf den Kopf gestellt? Ihr eigenes Verständnis dieses Mediums zeigt genau das Problem: Die Seuche des Internets ist die weit verbreitete, aber dennoch falsche Idee, dass alles, was im Internet zu haben ist, auch allen gehört.

  23. P.S. *knirsch* Hatte doch glatt vergessen, dass ich hier in der Schweiz kommentiere – als Strafe verpasse ich mir 10 Peitschenhiebe :-)

    Meine Anmerkung gilt so nur für BRD, wahrscheinlich wird es aber in der Schweiz in den Grundzügen nicht anders sein.

  24. Auch wenn ich die Gesetze nicht von A bis Z kenne, kann davon ausgegangen werden, dass es in der Schweiz im Grundsatz das selbe ist.

  25. Niemand zweifelt die rechtlichen Grundlagen an, die Frank beschreibt. Von daher ist seine Aufstellung schön, aber nicht förderlich was die Klärung der offensichtlich vorhandenen unterschiedlichen Rechtsauffassungen betrifft.

    zu 1.:
    „RSS-Feeds dienen dem Zugriff auf Inhalte ohne explizit einen Webbrowser aufrufen zu müssen.“
    Sollte besser heißen: „RSS-Feeds dienen dem Zugriff auf Inhalte ohne explizit die Webseite des Urhebers im Webbrowser aufrufen zu müssen.“

    zu.2.:
    Die Ausgabe als „eigene Inhalte“ steht überhaupt nicht zur Debatte, es sei denn man versteht schon das „Formatieren“ per Stylesheet als „Zueigenmachen“. Auch in Sachen Vervielfältigungen und Verbreitungen ist die Lage klar. Caching ist urheberrechtlich keine Vervielfältigung und ob die Verbreitung der Inhalte über das Protokoll „http“ oder „planet“ erfolgt dürfte ebenfalls irrelevant sein.

    Sobald Volltext-Feeds jedoch redaktionell gefiltert würden („Rosinen rauspicken“) ist die Lage eindeutig. Der Urheber hat zuzustimmen. Aber auch das stand nicht zur Debatte.

  26. 1. habe ich nie in Zweifel gezogen, dass jeder sein Urheberrecht behält, auch wenn er ein RSS-Feed zur Verfügung stellt. Auch kann jeder selbst entscheiden, ob sein Feed eingebunden werden darf oder nicht.
    2. die sog. Gegen-Argumente fundieren eher meine Argumente, als sie Ihnen widersprechen, denn was hat Internet/ Blog-Welt mit Recht zu tun. Eine Verrechtlichung der Blog-Welt/ des Internets hat die gleichen Folgen wie die Verrechtlichung der Gesellschaft – sie tötet Kommunikation – bekannte Soziologen nennen so etwas „Kolonisierung“ der Kommunikation – Nutzung von Kommunikationsmedien, die nichts mit der originären „Lebens“-/ Blog-Welt zu tun haben.
    3. Wovon lebt die Blog-Welt – was sind die originären Kommunikations(medien)-Mittel der Blog-Welt? Was konstituiert die Blog-Welt? Verlinkung, Trackbacks, Kommentare und RSS-Feeds – diese Techniken machen Blog-Kommunikation möglich. Wird diese Kommunikation „verrechtlich“ kommt es womöglich zur „Sprachlosigkeit“ – das System kann sich nicht mehr reproduzieren.

    Wie wäre es, wenn jemand auf diese Kern-Argumente antwortet – oder will man gerade „Sprachlosigkeit“ mit der rechtlichen Keule produzieren?

    Stellt Euch ein Paar mit Ehe-Problemen vor und beide gehen zum Anwalt …

    P.S.: @Marcel Widmer – darum geht es mir nicht – was Sie hier geschrieben haben gehört Ihnen – aber die Kommunikationsmittel des Internets gehören Ihnen nicht!

  27. Ich habe ja ab und zu verrückte Ideen. Aber darauf, zu behaupten, die Kommunikationsmittel des Internets oder gar „das Internet“ gehöre mir, wäre ich bei aller Fantasie nie gekommen. ;-)

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