Bücher, Filme, Musik und Spiele: tauschen statt kaufen?

Filme, Games, Musik und Bücher – tauschen statt kaufen. Das ist das Konzept von Exsila (auch bekannt aus der Gründerserie Start Up des Schweizer Fernsehens).

Ob das etwas ist für einen wie mich, der Bücher am lieber besitzt als ausleiht, nur selten Filme schaut, Musik meist nur beim Autofahren hört und das Spielen der Tochter überlässt? Ein kleines Abenteuer, auf das ich mich im Sinne eines Praxistests gerne einlasse …

Bei Exsila anmelden

Die Anmeldung als Neumitglied funktioniert problemlos und ist in wenigen Minuten erledigt. Nach dem Klick auf den Link im Bestätigungsmail kann’s losgehen …

Fazit: Die Anmeldung geht schnell, problemlos und schreckt auch nicht durch übertriebene Datensammelwut ab.

Eigene Artikel zum Tauschen anbieten

Ich wähle 4 Artikel, die ich zum Tauschen anbieten will: ein Buch, einen Kinderfilm, ein uraltes schon etwas in die Jahre gekommenes X-Box-Spiel, eine Jazz-CD.

Die Erfassung neuer Artikel scheint einfach zu sein: es muss lediglich der Strichcode (bzw. dessen Nummer) eingegeben werden.

Erster Artikel: ein Kinderfilm mit Mickey Mouse: Strichcodenummer eingeben, der Film wird angezeigt, bestätigen, den Preis in Exsila-Punkten angeben (ich akzeptiere den vorgeschlagenen Preis), Zustand beschreiben (ich schreibe „Vollständig und in einwandfreiem Zustand“), auf „Artikel definitiv anbieten“ klicken, fertig.

Genauso problemlos kann ich den zweiten Artikel, ein Buch über das Management von Geschäftsbeziehungen, erfassen.

Bei den anderen 2 Artikeln, die ich anbieten will, ist’s nicht ganz so einfach: Exsila kennt die Strichcodenummern bzw. die Artikel nicht. Deshalb ist es etwas aufwändiger, den Artikel zu erfassen: Dabei muss mindestens das Medium, die Strichcodenummer und der Titel erfasst werden. Damit die Exsilaner im Hintergrund den Artikel möglichst schnell freigeben können, ist es sinnvoll, weitere Angaben (Künstler, Format etc.) anzugeben. Bilder der Artikel finde ich über die Google-Bildersuche und lade sie ebenfalls auf das Exsila-System. Fertig! (Was ich für diesen Test nicht beurteilen kann, wie schnell ein auf diesem Weg erfasster Artikel von Exsila frei gegeben wird.)

Fazit: Das Erfassen von bekannten Artikeln über den Strichcode dauert nicht mal 1 Minute. Artikel, die bei Exsila noch nicht bekannt sind, sind etwas aufwändiger, aber auch in 2-3 Minuten zu schaffen. Dieser kleine Mehraufwand lohnt sich: die Exsila-Datenbank wird weiter wachsen und irgendwann werde so gut wie alle Artikel per Strichcodenummer erfasst werden können.

Zum Tausch angebotene Artikel bestellen

(Anmerkung: Neue Mitgliedschaften werden von Exsila zuerst geprüft und dann freigeschaltet. Das dürfte in der Regel sehr schnell gehen. Da ich diesen Praxistest während des Wochenendes mache, bleibt mir das Bestellen von Artikeln vorderhand verwehrt und kann hier deshalb nicht bewertet werden.)

Artikel können sowohl über die Haupt- und Unterkategorien als auch über die Suchfunktion gesucht (und gefunden!) werden. Wer beispielsweise einfach Lust auf einen neuen Film hat und stöbern will, sucht am besten über die Kategorien. Unterstützt wird diese Suche zusätzlich durch die Anzeige der in dieser Kategorie am häufigsten getauschten Artikel (Schnelldreher). Wer sehr spezifisch suchen will, benutzt die erweiterte Suchfunktion, um möglichst schnell zum Ziel zu kommen.

Beide Wege führen – natürlich nur, wenn der Artikel im Tauschangebot verfügbar ist – zum Erfolg. Bei der spezifischen Suche mit wenigen Klicks, bei der Suche über die Kategorie ist manchmal etwas Durchhaltevermögen gefragt. Nicht, weil diese Funktion umständlich wäre, sondern weil das Angebot teilweise riesig ist (aktuell sind beispielsweise 2 751 Filme der Kategorie Kommödie im Angebot!)

Fazit: Das Suchen und Finden von Büchern, Filmen, Musik und Games geht noch einfacher als das Erfassen eigener Tauschartikel. Das Sortiment ist riesig und enthält sowohl neue (teilweise sogar brandneue) wie auch alte bewährte Artikel. Wer also das Neuste vom Neuen sucht, ist genauso gut bedient wie der, der nach einer vielleicht längst vergriffenen Trouvaille sucht.

Die Exsila-Community

Es liegt auf der Hand: der Erfolg von Exsila steht und fällt mit der Grösse der Community (sprich: Anzahl der Mitglieder) und deren Aktivität (sprich: der Menge der angebotenen Artikel). Um hier positiv einzuwirken, bietet Exsila seinen Mitgliedern, den so genannten „Exsilanern“, einige Extras:

Exsila-Blog
Hier publiziert Exsila News und pflegt den Dialog mit aktiven und potenziellen Exsilanern.

Exsila-Mailer
Ein internes Mailsystem, über das sich die Mitglieder austauschen können. Eine zweischneidige Sache: dadurch soll eine gewisse Privatsphäre gewahrt bleiben, da man so seine E-Mail-Adresse nicht bekannt geben muss. Meine Wohnadresse aber ist im Exsila-System hinterlegt und ist anderen Mitgliedern zugänglich, damit sie mir die getauschten Artikel zusenden können. Hmmm … Zudem habe ich gerne alle Mails in einer einzigen Inbox und möchte nicht noch weitere Mailboxes bedienen müssen.

Exsila-Tauschinseln
Exsila-Tauschinseln sind regionale Exsila-Communities, also Gruppen von Freunden, Firmen, Vereine etc.). Die Idee: das mühsame Verpacken und Versenden entfällt, da Artikel persönlich übergeben werden können.

Exsila-Partnerprogramm
Nach dem Motto „Freunde werben Freunde“ macht es Exsila für seine Mitglieder interessant, Freunde und Bekannte für die Tauschplattform zu gewinnen. Für jedes neue Mitglied bekommt man 10 Exsila-Punkte (die hauseigene „Währung“) gutgeschrieben. Wer neue Mitglieder über die eine eigene Website wirbt, verdient bis zu 12.00 CHF pro Neumitglied.

Fazit: Begeisterung ist bekanntlich ansteckend. Deshalb ist es klar, dass Exsila seine Mitglieder (auf eine durchaus angenehme Art) auffordert, weitere Mitglieder zu werben. Das interne Mailsystem allerdings empfinde ich aus den genannten Gründen als überflüssig.

Meine Meinung (Gesamtfazit)

  1. Die Idee und die Bedienung („Usability“) überzeugen mich 100%ig. Die Plattform ist durchdacht und so finden sich nicht nur Computer-Kids, sondern auch Menschen wie Sie und ich schnell zu Recht.
  2. Der Erfolg der Tauschplattform hängt von der möglichst grossen Vielfalt der angebotenen Artikel sowie von der Verlässlichkeit der Mitglieder ab. Mit der Einbindung der Mitglieder nimmt Exsila entsprechend Einfluss, damit der Aktivitätslevel auf hohen Niveau bleibt.
  3. Eine Frage bleibt: wie funktioniert das Geschäftsmodell langfristig bzw. wie kann Exsila den kommerziellen Erfolg auch dann noch erzielen, wenn eine Grösse erreicht ist, bei der ehrenamtliche Mitarbeiter allein nicht mehr reichen und entsprechend hohe Kosten entstehen?

Ich selbst werde (aus den oben genannten Gründen) Exsila vermutlich höchst selten nutzen. Menschen aber, die mehr Musik, Filme und Games konsumieren als ich und nicht darauf aus sind, (neue) Bücher zu besitzen, finden hier ein einmaliges Angebot.

[Nachtrag: Keine halbe Stunde, nachdem ich diesen Praxistest veröffentlicht habe, hat Exsila mir per Mail bestätigt, dass meine Anmeldung überprüft sei und ich ab sofort Artikel bestellen können. Es ist Samstag – ein Super-Service!]

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hmmm, die größte Bedingung, das genug zum Tausch im System, ist bei bestehenden Tausch-Seiten ja schon gegeben. Wenn schon bezahlt, aber kritisch, dann erwähne doch die Konkurrenz, mir fallen zwei sofort ein!

    tauschticket.de
    hitflip.com

  2. @ Wingi

    Das ist aber nett, dass Sie hier zum Rechten sehen … ;-)

    Mein Beitrag hier ist ein persönlicher Praxistest über Exsila (und das ist auch klar so deklariert). Nicht mehr, nicht weniger. Und keine Marktanalyse der existierenden Tauschplattformen. (Im Sinne der offenen Information lasse ich Ihre Hinweise auf tauschticket.de und hitflip.com aber gerne stehen.)

    Wenn schon bezahlt […]

    Wenn Sie mir den hieb- und stichfesten Nachweis liefern, dass Sie für keine Arbeit, die Sie für irgendjemanden tun, bezahlt werden, dann betrachte ich diesen Hinweis als legitim. Ansonsten …

  3. Hallo,
    ich habe gesehen, dass Du einen Büchershop auf deiner Site anbietest.
    Ich verlinke deinen Blog von einer Pagerank 4-Site, wenn Du mein *** dort aufnimmst.

    [Edit Marcel Widmer: URL und die „Werbebotschaft“ gelöscht. Warum? Darum!]

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