Coaching und Training: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Was ist Training, was ist Coaching? Und was ist eigentlich der Unterschied? Diese Fragen stellen mir Menschen oft.

Eine einfache, leicht verständliche Erklärung ist fast nicht möglich. Unter anderem deshalb, weil sich Aspekte von Coaching und Training in gewissen Situationen durchaus überschneiden können bzw. sich diese Beratungsformen auch „on the go“ ergänzen können. Gleichzeitig ist es aber wichtig, dass der Coach bzw. der Trainer sehr genau unterscheiden kann, welche Form in der jeweiligen Situation die Nützlichste für seine Klienten ist.

Die Unterschiede

  1. Coaching beschäftigt sich mit der Analyse der Wahrnehmung der Aufgaben und der Gestaltung der Rolle; Training arbeitet mehr an der Analyse konkreter Verhaltensdefizite.
  2. Coaching richtet sich vorwiegend an Führungskräfte und Personen mit Managementaufgaben und erfordert vom Coach in erster Linie Feldkompetenz. Beim Training stehen technisch-fachliche Kompetenzen im Vordergrund.
  3. Coaching ist ein reflexives Verfahren; der Coach ist also primär Zuhörer und Gesprächspartner. Training ist eine fachliche Anleitung; der Trainer ist also überwiegend Anleiter.
  4. Coach und Klient bestimmen zusammen Inhalt und Ablauf; der Coachee (Coaching-Klient) behält dabei stets die Verantwortung für seine Entscheidung und sein Handeln. Im Training bestimmt der Trainer den Inhalt und Ablauf der Übungen und leitet gezielt an.
  5. In einer Coaching-Beziehung arbeiten die Partner auf gleicher Ebene zusammen; beim Training ist der Trainer als Fachexperte in seinem Fachgebiet klar überlegen.
  6. Coaching hat stets „Hilfe zur Selbsthilfe“ als Ziel und bedient sich häufig psychotherapeutischer Methoden und Interventionen(ist aber in keinem Fall eine Therapie!) Training zielt auf den Auf- und Ausbau von Wissen und spezifischer Verhaltensweisen.

Die Gemeinsamkeiten

  1. Im Vordergrund von Coaching und Training stehen die berufliche Rolle und damit zusammenhängende Angelegenheiten des Klienten.
  2. Beide Verfahren sind für schwerwiegende psychische Probleme ungeeignet.
  3. Coaching und Training können Übungssequenzen beinhalten.
  4. Beide Verfahren beinhalten eine zielorientierte Bearbeitung von Defiziten und/oder das Erreichen eines verbesserten Soll-Zustandes („in search of excellence“).
  5. Ziel ist eine Verhaltenserweiterung, -flexibilisierung oder –änderung beim Klienten.
  6. Coaching und Training zielen auch auf eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Klienten.

Schlussfolgerungen

Ziel eines Trainings ist also der gezielten Auf- und Ausbau bestimmter Verhaltensweisen, eines für eine bestimmte Situationen „idealen“ Ablaufmusters. Die individuellen Bedürfnisse des zu Trainierenden sind dabei zwar wichtig, im Vordergrund steht aber das individuelle Verhalten bzw. die Trainingsinhalte. Typische Beispiele für solche Trainings sind das Verkaufstraining, Moderationstraining, Motivationstraining, Rhetoriktraining, Gedächtnistraining usw. Der Trainer ist Experte, der Spezialwissen vermittelt.

Coaching ist in seiner Grundfunktion ein Beratungsprozess, in dem der Klient dabei begleitet wird, (s)eine eigenständige Lösung seines Anliegens zu suchen, zu finden und umzusetzen. Als Prozessberater nimmt der Coach dem Klienten weder eine Aufgabe ab, noch fungiert er als „Besser-Wisser“. Seine Kompetenz besteht in der Begleitung des Prozesses, in der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Der Coach unterstützt seinen Klienten, eine Vielzahl an Handlungsalternativen zu erkennen und daraus die passenden zu wählen, um seinen eigenen Weg zu finden.

(in Anlehnung an Christopher Rauen, Coaching-Report)

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