Das Pendel schlägt zurück: bald Mangel an Informatikern

In der Schweiz zeichnet sich ein Mangel an Informatikern mit Hochschulabschluss ab. In ein bis zwei Jahren wird die Zahl der Absolventen so stark zurückgehen, dass es gemäss einer Studie auf dem Arbeitsmarkt spürbar sein wird.

(Quelle: news.ch)

Wir kennen das ja: das ständige Hin-und-Her im Arbeitsmarkt, die extremen Pendelbewegungen zwischen 0 und 100:

  • Vor 6, 7 Jahren verlangten die Arbeitgeber für jede Tätigkeit, die irgendwie irgendetwas mit Marketing zu tun hatte, von Bewerbern einen Abschluss als Marketing-Planer. Das Resultat: Ausbildungen verzeichneten einen astronomischen Zuwachs, Absolventen überschwemmten den Markt und viele besetzen heute eine Stelle, für die sie wesentlich überqualifizert sind.
  • Das selbe gilt für die Ausbildungen zum Master of Business Administration: ich werde den Eindruck nicht los, dass für beinahe jede Führungstätigkeit, die etwas mehr beinhaltet als die Führung von zwei Buchhaltern, neben einem Hochschulabschluss auch ein MBA verlangt wird. Dabei deuten die Zeichen eindeutig darauf hin, dass der MBA-Hype schon wieder zu Ende ist.
  • Und jetzt also die Informatiker: offenbar sind parallel zu den Massenentlassungen bei den Informatikern auch die Absolventenzahlen bei den Informatiker-Hochschulen und Universtiäten eingebrochen. Was eine logische (aber falsche) Konsequenz im Sinn der Pendelbewegung ist.

Frage: Wieso kommt eigentlich niemand auf die Idee, hier anti-zyklisch zu agieren und die Contrarian-Strategie der Finanzwelt anzuwenden? Also zu einem Zeitpunkt in eine Weiterbildung zu investieren, in der der Bedarf an Fachleuten gering ist, aber dann bereit zu sein, wenn die Nachfrage wieder angestiegen ist?

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Der Jobmarkt sollte vor allem mal merken, dass es auch gute Informatiker ohne Hochschulabschluss gibt. Und damit meine ich nicht Quereinsteiger sondern die Lehre. Es ist nun seit etwa 10 Jahren möglich Informatiker als Lehre zu lernen.

    Hatte selber zwar keine Probleme einen Job zu haben, aber rege mich jedes mal auf, wenn ich entsprechende Jobangebote lese. Da steht so gut wie immer dass der Bewerber ETH, Uni oder FH haben soll.

  2. Ja, die Informatikerlehre ist eine hochwertige Ausbildung; mein „Göttibueb“ (für D und A: Patenjunge) hat diese 4-jährige Lehre gemacht und sich dabei viel Know-how erarbeitet. Aber es liegt auf der Hand: es gibt klare Unterschiede zwischen einer Lehre und einer Hochschulausbildung.

    Dass der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren geprägt ist von einem Überangebot an Arbeitskräften führt dazu, dass auf der Arbeitgeberseite die Anforderungen immer höher geschraubt werden – frei nach dem Grundsatz „Jetzt bekommen wir für jede Stelle bestausgebildete Mitarbeiter .“

    Ob das mittel- und langfristig der richtige Weg ist? Ganz sicher nicht. Überqualifizierte Mitarbeiter können nur einen Teil ihres Wissens und ihrer Erfahrung einbringen und umsetzen. Das führt erfahrungsgemäss sehr schnell zu Frustration und zur inneren Kündigung. Das wird für die betreffenden Firmen fatal, denn solche Mitarbeiter werden sehr schnell das Unternehmen wieder verlassen, sobald sie eine Stelle finden, die ihrem Qualifikationsprofil besser entspricht.

  3. Intressanter Artikel und Kommentare, ich hoffe der Pendel für Informatiker ist im nächsten Jahr auf der richtigen Seite. Mit der Informatiker lehre muss ich (leider, da ich selbst so eine gemacht habe) ein wenig relativieren. Die Lehre ist leider kein allzu grosses Gütesigel, zu wenig klar und verbindlich sind die Ausbildungsziele. Selbstverständlich gibt es aber sehr viele gute gelernte Informatiker, die Ihr Wissen in der Firma erworben haben oder/und es sich selbst beigebracht haben.

  4. In der Tat verstehe ich es nicht, wenn für einfache Administrationsaufgaben Diplom-Informatiker gesucht werden. Ich bin einer, könnte diese Aufgaben mit links und vierzig Fieber, aber ich würde mich darauf nicht bewerben.

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