Der sauschlechte Manager

Es gibt hervorragende Führungskräfte. Gute, mittelmässige und schlechte. Und andere sauschlechte.

Dieser Manager

  • … ist feige: Unangenehme, unpopuläre Massnahmen teilt er seinen Mitarbeitern ausschliesslich per E-Mail mit, vorzugsweise am späten Abend oder amWochenende, wenn niemand unmittelbar darauf reagieren kann.
  • … weicht aus: Immer dann, wenn ein Mitarbeiter um ein klärendes Gespräch bittet, flüchtet er sich in ein „unheimlich dringendes und wichtiges“ Telefongespräch.
  • … versteckt sich hinter seiner Funktion: Obwohl er alleiniger Geschäftsführer ist, verkündet er seine Entscheidung mit „Ich muss Ihnen mitteilen, dass die Geschäftsleitung beschlossen hat, …“
  • … ist doppelzüngig: Im direkten Kontakt mit seinen Mitarbeitern (denen er trotz aller Bemühungen nicht immer ausweichen kann), lobt er diese in übertriebener Art und Weise. Das hindert ihn aber nicht, am nächsten Tag die Kündigung auszusprechen und diese mit mangelnder Leistung zu begründen.
  • … drückt sich: Rückrufe an verärgerte Kunden schiebt er tage- und wochenlang vor sich her, bei Anrufen dieser Kunden lässt er sich verleugnen, bei vereinbarten persönlichen Gesprächen erscheint er einfach nicht.
  • … säht Zwietracht: Mitarbeiter, Verwaltungsräte, Kunden, Lieferanten versorgt er mit unterschiedlichen, ja sogar absichtlich falschen Informationen und spielt sie gegeneinander aus.
  • … ist ungerecht: Mitarbeiter, die sich zu wenig wehren, lässt er verkümmern. Jenen, die Druck auf ihn ausüben, liefert er sich aus und entschädigt sie z.B. mit einem halben Monatssalär für einen 2-stündigen Einsatz am Wochenende.
  • … misstraut jeder und jedem: Er installiert in den Geschäftsräumen Abhörgeräte, um die Gespräche der Mitarbeitenden zu belauschen (und ist gleichzeitig zu blöd, das so zu tun, dass es niemand merkt).
  • … (die Aufzählung liesse sich leicht bis ins schier Unendliche fortsetzen)

Eine plakative Schilderung eines Negativbeispiels aus einem billigen Managementlehrbuch? Schön wär’s!

Das sind leider reale Situationen, von denen mir eine absolut glaubwürdige Coaching-Klientin immer wieder berichtet und die ich (zumindest) teilweise verifizieren konnte. Unglaublich! Unglaublich surreal! Und unglaublich erschütternd!

Da fällt es mir unendlich schwer, meinem Grundsatz folgend irgend etwas Gutes an der Situation erkennen zu können. Es fällt mir ebenso schwer, weiter an meine Grundüberzeugung zu glauben, dass der Markt jede Situation früher oder später regeln wird. Und es macht mich wütend: weil hier offensichtlich eine grenzenlose Kontrolllosigkeit herrscht, die es zulässt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zum Zusammenbruch kaputt gemacht werden. Nur weil da einer an einer Position ist, wo er nie und nimmer hingehört!

Da ist es mir fast unmöglich, die Grenzen meiner Möglichkeiten als Coach und Berater akzeptieren zu können! (Das vorläufig einzige, was ich tun kann, ist der Klienten zu helfen, möglichst bald und ohne bleibende Schäden aus diesem Unternehmen auszusteigen und ihre Energien darauf zu konzentrieren.)

(„Humor ist, wenn man trotzdem lacht!“. Dieser bedrückenden Situation kann man vielleicht tatsächlich nur mit Humor etwas von ihrer Schärfe nehmen: Gibt’s den Office Outbacker auch für sauschlechte Manager? via Silkester)

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