Es fehlen 5500 Lehrstellen

Im August beginnt das neue Lehrjahr. Noch haben viele Jugendliche keinen Lehrvertrag. Dies obwohl zahlreiche Firmen neue Stellen geschaffen haben und sich die Lernenden für die Betriebe rechnen.

Ein interessanter Artikel ist heute in der NZZ am Sonntag (bzw. bei NZZ Online) zu lesen: Kampf um Lehrstellen

Die Fakten im Überblick:

  • 21 000 Jugendliche hatten Mitte April noch keinen Lehrvertrag; offen waren aber nur noch 17 000 Lehrstellen. Ergo: nicht alle werden eine Lehrstelle finden.
  • Die Jugendlichen sind zwar flexibler geworden, was nicht nur positiv ist: Sie wählen häufiger Berufe oder Firmen, die ihnen nicht entsprechen. Dadurch kommt es später eher zur Auflösung des Lehrvertrags.
  • Das KV, kreative Berufe, Elektromonteur und Berufe im Verkauf sind nach wie vor hoch im Kurs. Lehren im Gastgewerbe, auf dem Bau, in einzelnen technischen Berufen und Lehrstellen in der Chemie-/Pharmabranche sind weniger gefragt; dort bleiben öfters Lehrstellen unbesetzt.
  • Ab 2008 wird sich die Situation gemäss dem Bundesamt für Statistik leicht entspannen: auf diesen Zeitpunkt wird ein leichter Rückgang der Schulabgänge vorhergesagt.
  • Die KMUs sind nach wie vor die entscheidenden Unternehmen: im Vergleich zur Gesamtzahl der Mitarbeitenden bieten Sie 8.7% Lehrstellen an, Grossunternehmen nur 3.7%. Keine Regel ohne Ausnahme: ABB, Holcim, Givaudan, Coop, SBB und Post sind nur ein paar Bespiele von Grosskonzernen, die den Lehrstellenbestand massiv erhöht haben.

Der Lehrstellenmangel ist für die Jugendlichen dramatisch. «Viele Schulabgänger hören beim ersten Kontakt mit der Arbeitswelt: ‹Wir brauchen dich nicht›», sagt Bruno Weber von der Gewerkschaft Travail.Suisse.

Hat jemand eine (wirklich brauchbare) Idee, wie den Jugendlichen der Einstieg ins Berufsleben besser gelingen könnte? Ich nicht. Leider :-(

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Eine Idee? Internalisierung von positiven Externalitäten, mit anderen Worten, höhere Subventionierung von Firmen, die Lehrstellen anbieten – auch wenn das eine höhere Quote von Missbräuchen nach sich ziehen könnte :-/

  2. Momentan gibt es primär zwei Wege, den Jugendliche wählen können: Lehre oder Matura. Vielleicht braucht es noch einen dritten Weg, etwas wie eine „Unternehmerlehre“. Ich stelle mir dies so vor, dass Jugendliche während vielleicht zwei Jahren von Mentoren unterstützt werden, ein Unternehmen aufzubauen. Während dieser Zeit würden diese Jugendliche wie Lehrlinge eine Berufsschule besuchen und vom „Staat“ einen Lehrlingslohn erhalten.

  3. Ich weiss nicht – das Problem mit dem Aufbauen einer eigenen Firma ohne Ausbildung im Fachgebiet ist wohl die mangelnde Fachkompetenz. Sollte da nicht eine Lehre im entsprechenden Gebiet vor der Selbständigkeit stehen?

    Ich stimme darin zu dass es Talente gibt, die die nötigen Kenntnisse bereits haben oder sich selbständig aneignen, aber diese werden sich wohl für eine Matura entscheiden und dann dort abspringen – das Problem mit den fehlenden Lehrstellen betrifft meiner Ansicht nach eher ein anderes Segment von Jugendlichen…

  4. @Daniel Hofstetter
    Ein tatsächlich hervorragende Idee. Die sich übrigens zu 90% mit einer meiner Visionen deckt: ein Unternehmen aufzubauen, in dem Lehrlinge nicht nur „Lehrlingszeugs“ lernen, sondern gleichzeitig lernen, Verantwortung zu tragen, Enscheidungen zu fällen und – ganz besonders wichtig – die Chance haben, aus den Fehlern zu lernen (Merke: wer keine Fehler macht, entwickelt sich nicht!). Die nicht-deckenden 10% sind hier: in meiner Vorstellung ist’s nicht eine Firma, die von staateswegen unterstützt wird (und deshalb in den Köpfen der Beteiligten eben doch kein richtiges Unternehmen ist), sondern nach kommerziellen Gesichtspunkten (sprich: zumindest kostendeckend) wirtschaftet. (Merke 2: Menschen wachsen mit der Verantwortung und der Aufgabe, die man ihnen gibt.)

    @ Guido
    Ein berechtiger Denkansatz! Die Krux an der Sache ist nur (und ich spreche aus eigener Erfahrung):
    Wenn Du alleine startest, bist Du Geschäftsführer, Administrationsleiter, Aussendienstler, Buchhalter, Werbeleiter, Produktionsmitarbeiter, Kundendienstleiter, usw. usf – alles in einer Person. Es ist schlicht unmöglich, beim Start auf all diesen Gebieten das nötige Fachwissen und die Erfahrung mitzubringen.
    Wenn Dein Unternehmen später wächst (oder Du gleich mit mehreren Kollegen oder Kolleginnen startest), dann wird sich Dein Aufgabengebiet von Deinem ursprünglichen Fachgebiet wegentwickeln hin zu einer Korrdinations- bzw. Management-Aufgabe. Und da sind – so oft – andere Fähigkeiten gefragt.

    Danke für Eure Ideen! Gibt’s noch andere Ansätze, die uns (als Ganzes) hier weiter bringen?

  5. Das problem der Lehrstellen ist meiner Ansicht nach ein Problem der Oberstufenschulen. Zumind. im Kanton Zürich wird völlig an der realität vorbei Unterrichtet und man wird kaum bis meist gar nicht darauf vorbereitet in die Privatwirtschaft einzusteigen.
    Ich würde Unterrichtsfächer wie zb. „Arbeiten“ oder „Privatwirtschaft“ und „Persönlichkeitsentwicklung“ sehr begrüssen, in welchen man den Einstieg ins Berufsleben intensiver behandelt bzw. sich auch mehr mit den zukünftigen Anforderungen auseinandersetzt.
    So bin ich überzeugt würden sich viel mehr Jugendliche für einen Job motivieren und Engagieren, die Anforderungen von Unternehmen könnten besser erfüllt werden, und dies würde sich nach einiger Zeit auch auf die Zahl der Lehrstellen auswirken, denn wenn man mit Lehrlingen oft positive Erlebnisse verbindet, ist man auch bereit mehr einzustellen.

    Zumindest in diese Richtung sollte es gehen. Wenn man mit 16 aus der Schule kommt, muss man sich seiner Selbstverantwortung bewusst sein!

  6. @ Hitz
    Mit fast allem bin ich einverstanden; nur nicht mit dem letzten Abschnitt. Kids das Bewusstsein über die Selbstverantwortung mit auf den Weg zu geben, ist nicht die Aufgabe der Schule, sondern der Eltern. (Das sage ich als Vater einer 10-jährigen Tochter.)

  7. okay… so habe ich das eigentlich auch gemeint… dies ist dan wiederum ein Gesellschaftliches Problem…

  8. Ein gesellschaftliches Problem (oder Phänomen). Dadurch entstanden, dass Eltern immer wieder versucht sind, ihre Verantwortung, Aufgaben und Pflichten an die Lehrer „abz’schüfele“.

  9. Verständlch… es ist doch einfacher und praktisch… und da wäre wieder die Verantwortung… ;-) (Diesmal bei den Eltern)

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