FUTURA.TV: Phase eins habe ich überstanden

Gestern habe ich die erste Phase des Abenteuers Fernsehen (Komm ich jetz‘ ins Fernsehen?) völlig schadlos (und doch ruhiger als erwartet) überstanden: das Interview bei FUTURA.TV. Es war ein kleiner, aber faszinierender Einblick in eine Welt, die ich bisher überhaupt nicht gekannt habe.

Wie es war? So:

  • Der allererste Eindruck: erstaunlich viele Personen, die es braucht, um Fernsehen zu machen! Aber alles sehr freundliche Menschen, die mich mit einem netten Lächeln begrüssen. Offiziell empfängt mich Mario Aldrovandi (Geschäftsführer? Produzent? Regisseur? *): „Wänn Si en Ghaffi oder Wasser?“. Er zeigt mir kurz das Studio und den Rest und erklärt mir, wie der Ablauf der nächsten 1 1/2 Stunden sein wird. Corinne Waldmeier (Moderation und Redaktion) kommt aus der „Maske“ (Sie merken: ich spreche jetzt Fachjargon ;-) ) und begrüsst mich sehr herzlich. Mit ihrer sympathischen und lockeren Art schafft sie es, dass ich ihr glaube, wenn sie sagt: „Das schaffen Sie problemlos!“ – big smile (von ihr), gequältes Lächeln (von mir).
  • Während im Studio die Moderationen für die einzelnen Filmbeiträge aufgezeichnet werden, kümmert sich die nette Dame von der Maske (*) um mein Haupt: zuerst ein kühles Irgendwas auf die Haut, dann die Grundierung aus der Tube, dann Puder eins mit der Quaste („Damit Sie nicht glänzen“), dann Puder 2 mit dem Pinsel („Damit Ihr Gesicht nicht flach aussieht“ !?). Zum Schluss kämmt sie mir mit einem kleinen Bürstchen die Augenbrauen und die Wimpern (nochmal !?).
  • Nun bleiben mir noch rund 20 Minuten, bis ich an der Reihe bin. Ich setze mich an den Tisch im Korridor und gehe noch einmal meine Notizen zum Thema durch (um ehrlich zu sein: ich gehe mehr auf und ab, als dass ich am Tisch sitzen würde). Das Rotlicht orange Licht („Bei Rotlicht nicht eintreten!“) geht aus – jetzt bin ich wohl an der Reihe …
  • Corinne Waldmeier erklärt mir das Studio (fast alles schwarz in schwarz, 3 Kameras, ein Monitor, geschätzte 20 Scheinwerfer an der Decke, Kabel und noch viel Zeugs) und zeigt mir, wo wir stehen werden („Bei der Marke am Tisch sollte sich ungefähr Ihr Bauchnabel befinden!“) und wie das Ganze ablaufen wird. Wir besprechen noch kurz ihren einleitenden Text, die Fragen, die Antworten und passen das eine oder andere an. Der Beleuchter misst unser Gesicht aus (die wollen bestimmt prüfen, ob ich „hell“ genug bin ;-) ) und der Mann vom Ton installiert bei an mir Mikro und Sender.
  • „Jetzt üben wir das einmal“, sagt sie (wieder: big smile). Mit dem Spickzettel klappt’s ja ganz gut. Aber dann: der erste richtige Versuch, für den ich mich von meinem Zettel trennen muss (wirklich ungerecht: sie als Profi hat ihre Kärtchen in der Hand und ich muss „einfach so“). Also los (und nicht vergessen: „Schauen Sie nie in die Kamera!“ – sagt sich aber so einfach) … Obwohl ich meine Antworten nicht auswendig gelernt habe, sage ich tatsächlich in etwa das, was ich mir vorgenommen habe. Aber: ich war auch schon lockerer! Und prompt die Quittung aus der Regie: „Super! Inhaltlich sehr gut. Wir machen’s aber noch einmal. Vielleicht noch eine Spur lebendiger.“ (nett formuliert: ich habe dagestanden, wie wenn ich einen Besen verschluckt hätte). Nettes Nachpudern durch die Dame von der Maske.
  • Dann der zweite Versuch. Ich „unterschlage“ einen Teil meiner Antwort und bringe damit Corinne Waldmeier für den Bruchteil einer Sekunde aus dem Tritt. Abbruch durch die Regie. Und wieder nachpudern (die Scheinwerfer sind auch Wärmewerfer). Dritter Versuch. Ich realisiere, dass ich drei Mal hintereinander „wichtig“ sage und rufe spontan „So ein Quatsch!“. Nettes und breites Grinsen von ihr – das lockert auf. Also noch einmal! Moment … nachpudern. Vierter Anlauf. Läuft ganz gut. Dann die Stimme aus der Regie: „Gratuliere. Perfekt!“ Perfekt? Hmmm … Ganz überzeugt bin ich nicht, verlasse mich aber gern auf die Erfahrung der Profis. „Mrs. Big Smile“ macht ihrem „Namen“ alle Ehre – meine Gesichtszüge entspannen sich merklich :-) Mikro und Sender „ausbauen“, ab in die Maske zum Abschminken. Geschafft!
  • Ein kurzes Schwätzchen unter Bloggern: mit Alexander Wenger, dem Praktikanten, über sein noch junges FUTURA.TV Blog. Danach ein interessantes Gespräch mit Mario Aldrovandi über die Idee von FUTURA.TV, die Pläne für die Weiterentwicklung („Wir würden uns freuen, wenn Corinne Waldmeier mit Ihnen in Kontakt bleiben dürfte“), den bisherigen Erfolg (rund 110 000 Zuschauer nach 4 Monaten!) und, und, und. Und mit Corinne Waldmeier. Übers Fernsehen, über ihre und meine Arbeit, über unsere Kinder, über dies und das. Und ich bin wieder „ganz der Alte“ :-)

Ein wirklich einmaliges und eindrückliches Abenteuer, das ich da erlebt habe. Das sind meine „Lessons learned“:

  1. Es ist erstaunlich, welcher personelle, materielle und zeitliche Aufwand notwendig ist, um einen TV-Beitrag von rund 3 Minuten produzieren zu können!
  2. Die freundliche, ja sogar liebenswerte Art der FUTURA.TV-Crew, allen voran Corinne „Big Smile“ Waldmeier, wird mir in bester Erinnerung bleiben!
  3. Das Plüschtierli und das Brieflein meiner Tochter Nathalie („Lieber Papi ich wünsche dir viel Glück beim Interviu“) haben Wunder gewirkt ;-)

Das war Phase eins. Und was ist Phase zwei? Da muss ich herausfinden, ob ich es eingermassen aushalte, mich selbst im Fernsehen anzuschauen. Mal seh’n … ;-)

Apropos sehen: Die Sendung wird vom 19. bis 26. August täglich um 17:00 Uhr auf TeleZüri und TeleTop zu sehen sein.

Für alle, diese Sender nicht empfangen können und/oder um diese Zeit noch arbeiten: In den nächsten Tagen werde ich von FUTURA.TV eine CD mit der Sendung bekommen, die ich auch hier veröffentlichen darf. (Falls ich es technisch nicht schaffen sollte, hoffe ich auf Unterstützung meiner Leserschaft.)

(* Tut mir leid. Ich war zu nervös, um mir alle Namen, Aufgaben und sonstnochwas merken zu können.)

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für das erste Schmunzeln des Tages. Konnte beim Lesen richtig mitfühlen ;-) Dann bin ich ja mal gespannt auf die Sendung um zu sehen, wie Du Dich wirklich geschlagen hast…

  2. Spannend zu lesen, wie jemand das Fernsehen erlebt, der es bisher nur vom Bildschirm kannte.

    Übrigens, die Sendung ist ab sofort auch im Internet zu sehen.

  3. Pingback: JobBlog - Arbeiten zu Hause: das Interview bei FUTURA.TV

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