Kündigung – was nun?

Ein kleiner Zukunftsleitfaden – nicht nur für von der Kündigung Betroffene! …

Die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz hat im Mai 2004 einen neuen Rekord erreicht. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres wurde über 2072 Betriebe der Konkurs eröffnet! Die Statistiken zeigen zwar endlich wieder ein leichtes Wachstum für die Wirtschaft, im Arbeitsmarkt lässt die Trendumkehr aber nach wie vor auf sich warten.

Beim Verlust des Arbeitsplatzes und bei der Suche nach einem neuen Job fallen viele Betroffene in ein tiefes Loch – Angst, Selbstzweifel und Frust machen sich breit. Denn eine Kündigung bedeutet auch das Ende des bisherigen Lebens, sozialer Anerkennung und (im Extremfall) der Verlust des Lebensinhalts. In dieser Situation fällt es vielen schwer, die Suche nach dem neuen Job mit dem nötigen Elan und der notwendigen Zuversicht anzupacken.

Der Schlag ins Gesicht: Wie soll es morgen weiter gehen?
Aus, Schluss, vorbei – das war’s! Geahnt haben Sie es ja schon lange, aber jetzt haben Sie es schwarz auf weiss: Ihr Arbeitgeber hat Ihnen gekündigt! „Es tut uns leid – die Auftragslage …“, sagt Ihr Chef und hebt bedauernd die Schultern. Während Jahren sind Sie jeden Morgen ins Büro gegangen, haben sich für die Firma ins Zeug gelegt, sich beim Mittagessen mit Ihren Kolleginnen und Kollegen unterhalten und sind am Abend müde, aber erfüllt nach Hause gekommen.

Das wird ab sofort anders sein, denn ab morgen sind Sie freigestellt. Morgen werden Sie zum ersten Mal nicht den gewohnten Weg zum Büro nehmen, sondern sich beim Arbeitsamt Ihrer Wohngemeinde melden. Komisch, dass sich die Welt noch dreht und nicht einfach alles anhält. Denn schliesslich ist nichts, wie es einmal war.

Der Blick zurück: Abschied nehmen gehört dazu
Durch unsere Arbeit erhalten wir einen wesentlichen Teil unserer Identität. Sie bestimmt die wesentlichen Koordinaten unseres Lebens. Deshalb sind die meisten von uns mit dem Arbeitsplatz auch emotional verbunden. Bei einer Kündigung überfallen uns Zukunftsängste, Wut über die erfahrene Ungerechtigkeit und Trauer über den Verlust, sehr ähnlich dem Gefühl beim Tod eines uns nahe stehenden Menschen. Arbeitspsychologen sprechen deshalb von einer ersten Phase, in der die nötige „Trauerarbeit“ geleistet werden muss. Das bedeute nicht, dass Sie sich aus dem Leben zurück ziehen sollen und sich in Ihr „Schneckenhaus“ verkriechen müssen. Aber Abschiednehmen gehört dazu. Und das bedeutet auch, Resümee zu ziehen.

Der Blick nach vorn: Was ist in meiner Schatzkiste?
Sie haben etwas Wichtiges verloren: Ihren Arbeitsplatz. Das tut weh. Aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie in den letzten Jahren auch ganz viel gewonnen haben: wertvolle Erfahrung in Ihrer Funktion, branchenspezifische Kenntnisse, neues Wissen, effiziente Methoden, um aus Fehlern zu lernen und sich so zu verbessern, Erkenntnisse über Geschäftsabläufe, Taktiken zur erfolgreichen Umsetzung Ihrer guten Ideen und vieles mehr. Eine ganze Schatzkiste voll wertvoller Perlen, die Sie nun auf dem Arbeitsmarkt wieder an den Mann bzw. die Frau bringen müssen.

Ziehen Sie Bilanz: Was waren Ihre „High lights“ in dieser Firma? Welche Kenntnisse konnten Sie in der Praxis vertiefen, welche in Weiterbildungen dazu gewinnen? Welche Fähigkeiten haben Sie einbringen, welche neu entwickeln können? Was waren die Gebiete, in denen Sie sich besonders gerne engagiert haben, weil Ihnen diese Aufgaben besondere Freude machten? Die Erkenntnisse über Ihren letzten Job ist wichtiger Ausgangspunkt für die berufliche Neuorientierung: Welche dieser im alten Job erworbenen Fähigkeiten ist für andere Unternehmen von besonderem Interesse? Wo könnten Sie Ihre berufliche Laufbahn kontinuierlich weiterentwickeln? In welchem Tätigkeitsfeld ist Ihr Know-how besonders gefragt?

Schreiben Sie das Inventar Ihrer Schatzkiste auf. Spätestens bei einem Bewerbungsgespräch für eine neue Stelle werden Sie froh darum sein!

Der neutrale Blick: Es ist nicht alles selbstverständlich!
Nach dem Verlust des alten Arbeitplatzes fällt vielen die berufliche Neuorientierung schwer. Sie werden von Selbstzweifeln geplagt und sind kaum in der Lage, das Geleistete im richtigen Licht zu sehen. Vieles, was sie in all den Jahren erbracht haben, betrachten sie als selbstverständlich –“Schliesslich wurde ich damals für diese Aufgabe eingestellt“.

Deshalb ist es sehr hilfreich, Hilfe bei der Erarbeitung des Inventars der eigenen Schatzkiste beizuziehen. Im einen Fall kann es genügen, sich ein entsprechendes (Arbeits-)Buch zu kaufen und dieses gezielt durch zu arbeiten. In vielen Situationen ist es aber ratsam, eine Fachperson (Karriereberater, Career Coach etc.) beizuziehen. Diese zieht zusammen mit Ihnen Bilanz, erstellt mit Hilfe einer Potenzialanalyse ein Profil Ihrer beruflichen und persönlichen, erarbeitet mit Ihnen zusammen Ihr Kompetenzprofil, entwickelt darauf aufbauend eine auf Sie abgestimmte Bewerbungsstrategie und macht Sie in Bewerbungstrainings fit für den neuen Job.

Ein Tipp: Immer häufiger werden solche Beratungsangebote vom bisherigen Arbeitgeber im Rahmen von Austrittsvereinbarungen finanziert. Fragen Sie nach: in der Personalabteilung oder bei Ihrem bisherigen Chef!

Hier finden Sie eine ganze Anzahl von Artikeln, die Ihnen in einer solchen (oder in einer ähnlichen) Situation helfen:

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