Kooperationsanfrage (oder: Sind Business-Blogger blöd?)

Betreiber eines Business-Weblogs kennen das auch: Immer mal wieder kommt per Mail eine Anfrage für einen Linktausch rein. Die meisten gehören zur Kategorie dämlich.

Gestern kam aber eine Anfrage, die mich positiv überrascht hat. Da fragt eine Dame einer neuen mir bisher nicht bekannten Internet-Stellenplattform an, ob ich an einem Linktausch bzw. an einer Kooperation interessiert sei:

Sehr geehrter Herr Marcel Widmer,

Wir sind auf Ihre Website aufmerksam geworden und würden uns freuen, wenn Sie auf:
http://www.jobblog.ch/
einen Link zu unserer Suchmaschine für Stellenangebote
http://www.******.***/
einrichten würden. Dieser Dienst könnte für viele Ihrer Besucher von Interesse sein.

****** bietet die Möglichkeit, über 200.000 Jobangebote aus hunderten Jobbörsen, Personalvermittlungs-Unternehmen und Firmenwebseiten nach Schlüsselwörtern und Orten, zu durchsuchen.

[…]

Wenn Sie unseren Service interessant finden, würden wir uns freuen, Ihnen weitere Kooperationsmöglichkeiten vorzuschlagen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen
******

Kooperationsmöglichkeiten? Mit einer Suchmaschine für Jobangebote? Wieso nicht? Im JobBlog geht’s um den Job – auf einer Stellenplattform ebenso. Da macht es durchaus Sinn, näher darauf einzugehen: es könnte ja für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ein Mehrwert entstehen! Also schreibe ich gleich zurück:

Guten Tag, Frau ******

Was wäre es ****** denn wert, wenn ich auf dem JobBlog die „Werbetrommel rühren“ würde (Textlink, Banner etc.)? Die Besucher des JobBlog (gut 30 000 pro Monat!) sind eine klar definierte Gruppe: nämliche Menschen, die sich mit dem Job befassen – also genau auch die Zielgruppe von ******.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und ein konkretes Angebot.

Freundliche Grüsse
Marcel Widmer

Da scheint sich eine Kooperation in Windeseile anzubahnen. Schon kurz danach kommt die Antwort:

Sehr geehrter Herr Widmer,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Für die Verlinkung unserer Seite könnten wir Ihnen als Kooperationsmöglichkeit einen Backlink unter „Friends“ http://www.******.***/magazine/friends.html
anbieten. Sie hat einen PR von 4, die Hauptseite einen von 5.

Geben Sie mir einfach kurz Bescheid, wie wir verfahren sollen.

Mit freundlichen Grüßen,
******

Na ja … Ein Backlink unter „Friends“? Hmmm … Für eine kommerzielle Seite doch etwas mager. Also schreibe ich zurück:

Sehr geehrte Frau Giebler

Danke für Ihre Antwort und Ihr Angebot. Nur …

Von einem Backlink habe ich so gut wie gar nichts – meine Seiten haben alle einen PR von 5 und sind (in meinem Fachgebiet) bei Suchmaschinen sehr gut gelistet.

Dafür, dass hinter ****** ein kommerzielles Angebot bzw. Interesse steht (was m.E: völlig legitim ist) steht, ist Ihr Angebot doch eher dürftig.

Was mich – um ganz ehrlich zu sein – nicht besonders erstaunt. Ich bekomme immer wieder solche Anfragen. Das finde ich insofern besonders störend, dass Unternehmen mit der Unterstützung anderer (bei Ihnen „Friends“) ein Geschäft betreiben wollen, aber oft nicht gewillt sind, für die Unterstützung (bei Ihnen „Kooperationsmöglichkeit“) einen vernünftigen Gegenwert zu bieten bzw. offenbar davon ausgehen, dass diese sich mit einem „netten“ Link auf einer Website abspeisen lassen.

Ich mache gerne Geschäfte. Und habe noch viel lieber „Friends“. Aber auf dieser Basis wird ganz bestimmt nichts aus unserer „Freundschaft“.

Freundliche Grüsse
Marcel Widmer

Jetzt ist die Gegenseite verstummt (was mich eigentlich nicht wundert). Die haben bestimmt erwartet, dass ich laut jauchzen und 3 Rückwärtssalti (aus dem Stand!) machen würde, wenn irgendwo auf einer Nebenseite ihrer Stellenbörse www.jobblog.ch steht.

Ich bin ja für vieles offen. Und mache gerne auch auf eine gute Sache aufmerksam; auch ohne dass mich jemand darum bittet oder ich dafür eine Gegenleistung bekomme.

Hier aber gilt: Ich bin doch nicht blöd!

Anmerkung zum Schluss: Mir geht es nicht um das betreffende Unternehmen an sich (deshalb habe ich die Namen durch ****** ersetzt). Mir geht es ums Prinzip: Ich mag es, wenn jemand eine Idee hat, diese zum Erfolg bringt und damit gutes Geld verdient. Ich mag es aber gar nicht, wenn man andere für den Erfolg einspannen und dabei für dumm verkaufen will. Das ist opportunistisch, arrogant und unverschämt.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. …dabei hätte sie nur schreiben müssen:“das können wir verstehen, können aber leider nix anderes anbieten“ und die sache wär perfekt gewesen.. ?!

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