Mangel an Privatsphäre am Arbeitsplatz: Mehr „ich“-Zeit nötig

Unternehmen weltweit schlagen Alarm: Das Engagement der Mitarbeiter hätten ein niedriges Niveau erreicht. Einer der Gründe dafür sei die mangelnde Privatsphäre am Arbeitsplatz – das zeigt die die neueste Studie von Steelcase. [Medieninfo]

Mitarbeiter können sich immer schlechter konzentrieren, nachdenken und regenerieren. Das wirkt sich negativ auf ihre Arbeitszufriedenheit, ihre Motivation und damit auf ihre Leistungsbereitschaft aus. Innovative Ideen bleiben auf der Strecke; das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiter leidet. Die breitangelegte internationale Studie „Wohlbefinden am Arbeitsplatz“, die Steelcase in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IPSOS in vierzehn Ländern durchgeführt hat, sowie zahlreiche Feldforschungen und Befragungen des Steelcase Think Tanks „WorkSpace Futures“ liefern umfangreiche Erkenntnisse zum Thema Privatsphäre im Büro.

Ich-Zeit

Die aktuelle IPSOS-Studie macht unter anderem deutlich, dass vielen Mitarbeitern ruhige Arbeitsumgebungen fehlen, die ungestörtes Arbeiten zulassen. 67% der deutschen Angestellten sind dem Bürotrubel jeden Tag ausgesetzt und haben nicht die Möglichkeit alternative Umgebungen, wie das Home Office, zu nutzen, um ihren Aufgaben ungestört nachzugehen. Gut jeder zweite Angestellte fühlt sich regelmässig unterbrochen und aus seiner Arbeit rausgerissen. Über ein Drittel der Befragten aus Deutschland gab zudem an, sich am Arbeitsplatz nicht konzentrieren zu können. Das kann sowohl auf die Motivation als auch auf das Engagement negative Auswirkungen haben.

Gute Zusammenarbeit braucht Privatsphäre

In den letzten Jahrzehnten wurde die Privatsphäre am Arbeitsplatz zunehmend vernach-lässigt. Unternehmen haben sich vor allem auf die Zusammenarbeit von Mitarbeitern fokussiert. Zu Gunsten dieser hat sich über die Jahre die Bürogestaltung von geschlos-sen Räumen zu offeneren Flächen gewandelt. Grossraumbüros gelten als idealer Ort für effektives Arbeiten im Team, aber: „In einigen Unternehmen ist diese Entwicklung zu weit gegangen; es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Interaktion und Privatsphäre. Der Mangel an Rückzugsräumen wirkt sich dort negativ auf die Kreativität, Produktivität und das Engagement der Mitarbeiter aus“, meint Chris Congdon, Director Research Communication bei Steelcase. „Viele Unternehmen erkennen noch nicht, dass erfolgreiche Zusammenarbeit auch individuelle, private Rückzugsräume benötigt.“

Dabei bestätigen die Steelcase-Forschungen, dass Mitarbeiter, die effektiv mit ihren Kollegen zusammenarbeiten sollen, weniger „wir“- dafür mehr „ich“-Zeitbenötigen. Die Gründe, weshalb Mitarbeiter Privatsphäre suchen, variieren je nach Persönlichkeit, Gefühlslage, Kultur oder Aufgabengebiet. Das Bedürfnis nach Privatsphäre schwankt im Laufe eines Arbeitstages – je nachdem ob Routineaufgaben anstehen oder Arbeiten, bei denen man sich stark konzentrieren muss.

Kontrolle ist der Schlüssel

„Wir haben mittlerweile ein anderes Verständnis von Privatsphäre. Während in der traditionellen Raumgestaltung Privatsphäre durch akustische, visuelle und räumliche Elemente geschaffen wurde, müssen Unternehmen heute weiter denken“, erklärt Donna Flynn, Director des Steelcase WorkSpace Futures. „Privatsphäre heute bedeutet die Möglichkeit zu haben, interne und externe Reize zu kontrollieren. Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern Kontrollmöglichkeiten darüber bieten, welche externen Störungen sie zulassen oder auch welche Informationen sie über sich preisgeben möchten.“

Ein Ökosystem von Räumen mit Wahlmöglichkeit: „ich“ oder „wir“

Den Unterschied macht, Mitarbeitern die Freiheit zu geben, selbst zu entscheiden, wie sie arbeiten möchten. Die Möglichkeit der Wahl der Arbeitsumgebung kann sich in einer ausgeglichenen Raumplanung wiederfinden: Das Büro wird so zu einem Ökosystem mit unterschiedlichen offenen, abgeschirmten oder geschlossenen Räumen. „Der Schlüssel ist die richtige Balance zwischen kollektiven Arbeitsplätzen und stillen Kämmerlein“, sagt Chris Congdon. „Mitarbeitern sollten die Chance haben, einen Arbeitsplatz zu wählen, der ihren momentanen individuellen Bedürfnissen am besten entspricht. Das trägt dem Wohlbefinden und der Motivation der Mitarbeiter sowie dem wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen Rechnung.“

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