Menschen unterstützen – aber bitte kostenlos!

Immer wieder mal begegnet man als Berater, Coach und Trainer Menschen mit einer eigenartigen Vorstellung: Sie gehen davon aus, dass – wenn man in seinem Beruf seiner Berufung folgend andere Menschen ein Stück auf ihrem Weg begleitet und sie in ihrer Entwicklung unterstützt – man das selbstverständlich tut, ohne ein Honorar dafür zu verlangen.

Nun, das Geben ist tatsächlich etwas vom Schönsten in meiner Arbeit! Nur: was glauben solche Menschen, wovon ich meinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen könnte, wovon ich meine Familie und mich ernähren könnte?

Stefan Dudas, Mental-Trainer und Autor des mentalWeblog, bringt es auf den Punkt:

Ich würde doch nie etwas für mein Wissen, das ich in den Seminaren weitergebe verlangen – das käme mir nie in den Sinn! :-) – Aber meine Zeit ist kostbar. Und diese bezahlen sie …

Mehr dazu:
Menschen helfen – und Geld dafür nehmen?

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Jahrelang hatte ich mit Kindern gearbeitet und mich auf Lernprobleme spezialisiert.
    Das hatte sich auch herumgesprochen: Ich erhielt z. B. immer wieder Anrufe oder wurde auch mal auf der Straße angesprochen, wie dem eigenen Kindlein wohl zu helfen wäre.
    Wenn ich dann konterte mit: „Ich kann Sie gerne telefonisch beraten, pro Viertelstunde macht das sowieso Euro“ bzw. mit „Machen wir doch einen Termin aus und besprechen das in meiner Praxis – Stundensatz sowieso Euro“ wurde ganz entsetzt abgewunken und ich konnte mehr als einmal hören: „Waaaas – Sie verlangen Geld dafür! Aber es geht doch hier UM KINDER!!!!!!!!!“

    Klar gings um Kinder. (Nicht um meine eigenen – ich hab keine)
    Und um mich.
    Denn: Hätte mir der Bäcker denn ein Brot geschenkt, wenn ich ihm erzählt hätte, dass ich Eltern von Kindern mit Lernproblemen kostenlos berate bzw. Kinder kostenlos trainiere??????

  2. Das mit dem Bäcker, der mir ja kein Brot gibt, war bisher auch mein Standard-Argument. Und nun wird die nette Argumentation von Stefan Dudas neu in mein „Sortiment“ aufgenommen.

    Bei ganz Unverschämten zieht allerdings diese Methode hervorragend: „Klar arbeite ich für Sie kostenlos. Ich darf dann sicher auch Ihr Auto für die kommenden 4 Wochen benutzen.“ Worauf sich der Mensch mehr oder weniger freundlich verabschiedet. Was gut ist, so!

  3. 4 Wochen Autonutzung, das muss aber schon ein besonderer Wagen sein, dass sich das lohnt oder man muss viel fahren.
    Aber Scherz beiseite, es ist schon überraschend, wie manche schmarotzen wollen.

  4. Ich denke, dass Honorare auch Teil des Coaching-Erfolgs sein können.
    Der Grund ist einfach stärker, sich ändern zu wollen. Der Coachee denkt sich dann, dass er 160-200 Euro die Stunde zahlt, dabei muss dann auch etwas Anständiges rauskommen. Er legt diese Maßstab natürlich an das Coaching an, aber eben auch als Anforderung an sich selbst. :-)

    Daher sind Gratis-Coachings oder Coachings nach dem Motto „ich mach was für Dich, dafür coachst Du mich“ sehr viel aufreibender. Möchte man nicht meinen, ist aber so. Also mache ich mir meinen Leben leichter und fordere ein gutes Honorar für eine großartige Leistung :-)

  5. Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht, Kai-Jürgen. Ein Coaching muss für den Coachee zwar finanziell tragbar sein, soll aber bei ihm/ihr innerlich auch eine Motivation auslösen, im Coaching wirklich etwas verändern zu wollen (Stichwort Eigenverantwortung).

    Coachings, in denen sich jemand für CHF 20.- in der Stunde einfach mal so zum Plaudern reinsetzen will, bewirken so gut wie gar nichts. Und ich wende meine Zeit nicht gerne für nichts auf. ;-)

    In meinem Fragebogen, den ich jeweils vor einem Coaching abgebe, helfe ich dem Coaching-Interessenten, sich dazu Gedanken zu machen:

    Der Wert, den mein angestrebtes Ergebnis für mich hat, ist vergleichbar mit dem Erlebniswert von ……… (z.B. Ferien mit der Familie, mein Traum-Mountainbike, Anbau eines Wintergartens etc.), was einem Wert von CHF …… entspricht.

  6. @Marcel
    Das mit dem Fragebogen gefällt mir sehr gut. Ich muss mir da wohl Gedanken machen, wie ich das in meinem Thema umsetzen könnte. :-)

    Mancher Kunde kann sich mein Coaching vordergründig vielleicht kaum leisten. Ich habe dafür aber eine Lösung gefunden, die für beide Seiten ein Win-Win bedeutet: Bei jeder Empfehlung beteilige ich den Empfehlenden mit 20% an allen Umsätzen mit dem neuen Kunden.

    Ich muss so weniger Zeit für den Vertrieb aufwenden und der Empfehler kann sich auf diese Weise das Honorar zurück verdienen. Gleichzeitig entfällt bei mir die Vorstellung, das Honorar senken zu müssen, wenn es einem Kunden wirtschaftlich schlecht geht.

    Um es gleich vorweg zu nehmen: Trotz der Prämie werde ich ausschließlich von Kunden empfohlen, bei denen ich mit meinem Coaching auch Begeisterung erzeugt habe, also der überwältigenden Mehrheit. :-)

  7. Na ja, die Aussage von Herrn Dudas könnte auch hintenraus gehen: Seine Zeit ist kostbar, aber das, worüber er spricht oder coacht, nicht. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Von mir aus gesehen braucht es einfach ein offenes Wort zu den Kosten von dem, der eine beraterische Tätigkeit anbietet. Genau so, wie in dieser Diskussion angesprochen.

  8. Das ist halt die „Geiz-ist-geil-Mentalität“:
    Das Allerbeste ist gerade gut genug.
    Nur darfs nix kosten.

    „kostenlos“ ist synonym zu „umsonst“.
    „umsonst“ allerdings auch zu „vergebens“.

    Kriegt man was geschenkt, muss man sich auch nicht so um dessen „Pflege“ bemühen, als wenn man es selbst hätte bezahlen müssen.
    Kann also sein, dass deshalb „geschenkte“ Coaching-Tipps nicht so recht befolgt werden – und dann gibts noch eine schlechte Mundpropaganda so nach dem Motto:
    „Da braucht ihr eh nicht hinzugehen, das bringt nicht viel“.

  9. Nicht umsonst heisst’s im Volksmund: „Was nichts kostet, ist nichts wert!“
    (Spontaner und selbstkritischer Gedanke: JobBlog ist kostenlos, also … Hmmm …)

  10. Das ist ein hochinteressantes Thema: schon als ich noch auch therapeutisch arbeitete, war das die Erfahrung der meisten Kollegen: Therpien, die den Klienten nichts kosten, weil es die Kasse zahlt, sind viel schwieriger und nicht so erfolgreich wie die, bei denen die Klienten selbst zahlen.
    Auch bei meiner Seminartätigkeit machte ich die verblüffende Entdeckung (und es fiel mir erst so richtig auf durch entsprechende Hinweise von Kollegen, die die gleiche Erfahrung machten):
    bei Seminaren, die zu sehr geringen Kosten angeboten wurden (über „alternative“ Träger und Institute) waren die TN weniger zufrieden, forderten mehr, meckerten, bei Seminaren zu vernünftigen Honoraren waren die TN zufriedener!

    Das hat es mir natürlich noch leichter gemacht, mich damals aus diesem „Billig-Bereich“ zu verabschieden (ich hatte noch so merkwürdige „solidarische“ Vorstellungen gehabt) und nur noch Kunden zu akzeptieren, die meinen Wert auch entsprechend honorieren.

    Nichtsdestotrotz sind Preisverhandlungen ja wohl für viele Trainer und Coachs immer wieder eine Herausforderung – und daher immer wieder eine gute Gelegenheit, sich des eigenen Wertes bewusst zu werden und dafür einzustehen.

    Sonst macht auch die Arbeit keinen so großen Spaß, wie sie eigentlich macht, wenn man seine Berufung zum Beruf macht.

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