Stärken und Schwächen

Noch immer geistert es in den Köpfen vieler Führungskräfte und sogar von Personalentwicklern herum: mit den richtigen Massnahmen können Schwächen zu Stärken umgewandelt werden. Dazu ein paar Gedanken …

  • Daran zu glauben, dass man erst dann gut ist, wenn man keine Schwächen hat, ist Nonsens! Jede(r) von uns wird immer Stärken und Schwächen haben. Auf den bewussten Umgang damit kommt es an!
  • Schwächen sind – genauso wie Stärken – relativ. Das heisst: eine schwach ausgeprägte Kompetenz kann im einen Tätigkeitsgebiet tatsächlich ein Stolperstein sein, in einem anderen aber völlig unbedeutend.
  • Nichts ist nur gut und nichts ist nur schlecht, alles hat eine Sonnen- und eine Schattenseite. Das heisst: eine (vermeintliche) Schwäche hat meist auch etwas Gutes. „Mangelnde Teamfähigkeit“ kann beispielsweise auch „hohe Fähigkeit, selbstständig zu arbeiten“ bedeuten.
  • Selbstverständlich: das eine tun und das andere nicht lassen. Seine eigenen Schwächen mit „Ich bin halt so“ abzuhaken und sich damit selbst eine bequeme Begründung zu liefern, wieso die mühsame Veränderung nicht nötig ist, ist doch etwas sehr einfach.
  • Schwächen werden je nach Beobachter unterschiedlich wahrgenommen bzw. bewertet – sehr subjektiv. Entscheidend ist, wie der Betroffene selbst die Schwäche beurteilt. Nimmt er sie selbst als Störung war, dann ist Handeln angesagt!
  • Es ist unrealistisch zu glauben, dass ein Mitarbeiter bloss in ein Seminar geschickt werden muss, um seine Schwäche auszubügeln. Veränderungen von Verhaltensweisen sind langwierige und langsame (!) Prozesse.
  • „Verordnete Veränderung“ bringt keinen langfristigen Erfolg. Die Teilnahme an einem Seminar kann ein guter Anstoss sein. Aber wirkliche Veränderung kann nur dann geschehen, wenn der Betroffene aus eigener Überzeugung daran arbeiten will.

Fazit:

  1. Wichtig ist es, sein eigenes Profil der Stärken und Schwächen zu (er-)kennen. Nur so können Sie sich einerseits an Ihren Stärken orientieren (und erfreuen) und andererseits gut beurteilen, welche Schwächen in Ihrer eigenen Beurteilung tatsächlich eine Störung sind.
  2. Es ist viel cleverer, in erster Linie seine Stärken weiter auszubauen und neue aufzubauen, als Schwächen in Stärken umwandeln zu wollen. Ihre Veränderungsenergie ist Ihr Kapital und nur beschränkt verfügbar – setzen Sie es also weise ein!
  3. Erfolgreich wird, wer ein Tätigkeitsgebiet sucht und findet, in dem seine Stärken zum Tragen kommen und die Schwächen nicht zum Handicap werden. Das lässt Sie mit Leidenschaft und Befriedigung arbeiten, das ist Selbstmotivation pur!

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: JobBlog» Blog Archive » Erzählen Sie doch mal von Ihren Schwächen …: on the job. near the job. off the job. - Marcel Widmer

  2. Pingback: JobBlog - Marcel Widmer » Ungeduld und andere Schwächen

  3. Da stellt sich zunächst einmal, was ist denn eine Schwäche? Ungeduld, Ängstlicheit, Trägheit, etc…. jede dieser Eigenschaften ist in bestimmten Kontexten nützlich. Anstatt von Stärkern und Schwächen zu wertend zu reden, halte ich es für sinnvoller über Ressourcen nachzudenken, die in bestimmten Situationen nützlich in anderen hinderlich sein können. Das verleiht bespielsweise einem Coachingprozess eine Orientierung in Richtung Eigenliebe und schafft damit einen Zustand für den Klienten, der positiv für Veränderung ist.

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